Mittelalterliche Fresken in St.Peter

 

Stück für Stück vom Putz befreien

Mittelalterliche Fresken in der Partenheimer Kirche werden derzeit restauriert
Allgemeine Zeitung Mainz - 1990

Fresken1 Die historischen Quellen gaben keinen Anlaß zur Hoffnung, unter dem Putz irgendwelche Kunstwerke zu entdecken: Während im Hauptschiff der evangelischen Kirche "St. Peter" in Partenheim bereits vor fast 30 Jahren mittelalterliche Wandmalereien entdeckt und restauriert worden waren, fristete das vergleichsweise triste weißgetünchte Seitenschiff eher ein Schattendasein. Geschichtliche Dokumente aus dem Jahre 1874 berichteten nämlich von Verschönerungsarbeiten in der Kirche, bei der ganze Partien übermalt worden sein sollen. "Leider verschwanden die Gewölbemalereien, die in Komposition und Stil denen des Hauptschiffes entsprachen", ist in dem Fachbuch "Wandmalerei in der Pfalz und Rheinhessen" zu lesen. Als die Gerüste nach Abschluß der Fassaden-Renovierung im Frühjahr von außen nach innen wanderten, untersuchten die Handwerker das Seitenschiff nur routinemäßig auf Malerei. Groß war dann die Überraschung, als unter dem Putz die verloren geglaubten Malereien zum Vorschein kamen.

Die Landeskirche in Hessen und Nassau weiß die Funde zu schätzen; von den rund 1200 Kirchen ragen nur einige aus der Masse heraus. "Nach der Katharinenkirche in Oppenheim ist St. Peter die kunsthistorisch bedeutendste Kirche in Rheinhessen", urteilte Kirchenbaudirektor Dr. Wolfgang Billig bei einem Ortstermin in Partenheim. Die Freilegung läßt sich die Darmstädter

Kirchenleitung deshalb auch einiges kosten: Zu den 500000 Mark für die eigentliche Renovierung des Bauwerkes muß für die Restaurierung noch einmal 200000 Mark draufgelegt werden.

Die knifflige Freilegung der figürlichen und floralen Malereien — darunter Portraits von Kirchenvätern und katholischen Heiligen — erledigt das Team des Erbes-Büdeshei-mer Restaurators Vitus Wurmdobler mit einer Engelsgeduld: Da wegen des Kalkanstriches eine chemische Behandlung nicht möglich ist, müssen die wertvollen Fresken mit dem Skalpell Stück für Stück vom alten Putz befreit werden. "Das ist größtenteils Übungssache", bekennt Alexander von Thoen. Anschließend werden die nun "nackten" Kunstwerke mit Quarzsand gefestigt.

Fresken1a

Die Retousche übernimmt dann Georges Ovidio. "Das sind tolle Malereien, ganz ausgezeichnet und gut erhalten", erklärt rumänische Diplom-Restaurator mit einem bewundernden Blick zur Decke und macht sich dann wieder an die Arbeit. Da die Farben im Laufe der Jahrhunderte stark verblasst sind, werden sie nun nachgebessert. Dazu verwendet Georges Ovidio spezielle reversible Pigment-Farben, die jederzeit wieder entfernt werden können — etwa wenn eine Retousche nicht ganz so gelungen ist oder der ursprüngliche Zustand der Fresken begutachtet werden soll.

Das große Ziel des Restaurators: Das Kunstwerk wieder so hinzubekommen, wie es ursprünglich ausgesehen hat. "Die Chromatik — also das Spektrum der Farben darf nicht anders sein als früher", erläutert der Rumäne, der an einer Kuristakademie studierte und schon viel Erfahrung mit solchen Malereien aufweisen kann. Das eigene künstlerische Empfinden muß da zurückstehen. Alexander von Thoen: "Die Ästhetik des Künstlers darf nicht verändert werden. Der Restaurator muß sich da unterwerfen."

   

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